Tag-Archiv für 'universität'

Zu den aktuellen Bildungsprotesten

Seit letzter Woche haben sich Proteste gegen die österreichische Hochschul- und Bildungspolitik etabliert. In Wien begann Anfang letzter Woche die Akademie der bildenden Künste mit einer Besetzung, am Donnerstag wurde das Audimax der Hauptuni für die Zwecke des Protests umfunktioniert. Es folgten TU, Boku sowie weitere Hochschulen in anderen Städten.
Jedoch gibt es – vor allem im und ums Audimax – vielerlei kritisierenswertes. Neben autoritären Tendenzen und mühsamen Diskussionen über die Rolle von Burschenschaftern und anderen Reaktionären zeigte sich vor allem das Thema Sexismus als „Dauerbrenner“ auf der angeblich brennenden Uni.
Im folgenden wollen wir daher die Stellungnahme „Sexismus angreifen“ der Frauen AG dokumentieren, sowie weiters den Aufruf der Autonomen Antifa Wien, der unsereserachtens die Bildungsthematik am prägnantesten erfasste.

„Sexismus angreifen“ – Stellungnahme der Frauen AG
„We don‘t need your education!“ – Aufruf der Autonomen Antifa Wien zur Demo am 28.10.

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Anmerkungen zum gestrigen Angriff auf Antifaschist_innen

Der dritte Neonazi-Angriff aus linke Veranstaltungen binnen einer Woche in Österreich wühlt sowohl Antifaschist_innen als auch die Medien auf…

Es hat sie schon verschreckt, die Burschen, dass die Proteste gegen ihren wöchentlichen „Coleurbummel“ auch im Wintersemester weiter gehen. Nicht wie seit Jahr und Tag üblich Schlag Zwölf, sondern zwei Stunden früher tummelten sich deutsch-völkische Verbindungsstudenten vor dem Hauptportal der Uni Wien. Kaum war der Spuk vorbei, trafen sich rund 100 Personen zu einer Kundgebung, die in eine Spontandemo zum nahe gelegenen Parlament mündete, um auch dort den Unmut über die Kontinuitäten des Deutschnationalismus auf der Universität und im Nationalrat auszudrücken.

Bei der anschließenden friedlichen Kundgebung auf der Rampe des Parlaments kam es zu einem gewalttätigen Übergriff durch etwa zehn Personen, welche zuvor der Demonstration vermummt gefolgt waren. Unter den Angreifern befanden sich mehrere Mitglieder deutschnationaler Studentenverbindungen, darunter mindestens zwei Mitglieder der rechtsextremen Burschenschaft Olympia, die noch wenige Stunden zuvor auf der Unirampe offensiv Propaganda unter Student_innen betrieben hatte. Verletzt wurde seitens der Antifaschist_innen glücklicherweise niemand. (mehr…)

[Presseaussendung] „Rechtsextreme Kontinuitäten auf der Uni und im Parlament bekämpfen“

Utl.: „Raus aus dem Hörsaal – rauf auf die Rampe!“

Wien, Unirampe – Die Gruppe AuA! (Außeruniversitäre Antifa) begrüßt ausdrücklich die morgigen Proteste gegen den Couleurbummel deutschnationaler Burschenschafter an der Universität Wien. „Gerade in Zeiten, in denen die FPÖ gestärkt aus den Wahlen hervorgeht und der Burschenschafter Martin Graf zum Nationalratspräsidenten gewählt wird, ist es notwendig gegen diese rechtsextremen Skandale zu protestieren“, meint Lili Litwak, Pressesprecherin der AuA! „Es ist einerseits inakzeptabel, dass deutschnationale Burschenschaften 70 Jahre nach dem Anschluss an Nazideutschland nicht verboten sind, sondern auf der Unirampe nach wie vor ihre reaktionäre Ideologie zur Schau stellen können. Anderseits ist es skandalös, dass beinahe alle Parlamentsparteien die Verbreitung völkischen und `revisionistischen´ Gedankenguts nicht nur hinnehmen, sondern durch ihre Unterstützung Grafs auch noch aktiv fördern und gesellschaftlich salonfähig machen“, so Litwak weiter.

Die deutschnationale Burschenschaft Olympia, der Graf angehört, lud in den letzten Jahren immer wieder bekannte Akteure des internationalen Rechtsextremismus und Neonazismus (wie David Irving, Frank Rennicke oder Michael Müller) zu sich ein. Dazu Litwak: „An der rechtsextremen Ausrichtung der Olympia ändert auch Grafs rhetorische Distanzierung von allen ‚im Namen einer fehlgeleiteten Ideologie verübten Verbrechen‘ nichts.“ Burschenschaften fungieren in Österreich bis heute als Kaderschmieden sowohl der FPÖ als auch noch weiter rechts stehender Gruppierungen sowie als Hort völkischer Gesinnung und stellen somit auch das gesellschaftliche Bindeglied zwischen (neo-)nazistischen Zusammenhängen und dem Parlament dar, wie sich an der hohen Anzahl korporierter Nationalratsabgeordneter zeigt.

Völkischer Größenwahn, Geschichtsklitterung sowie die Frauenfeindlichkeit dieser Verbindungen stellen somit kein Randproblem dar, sondern werden durch die ungetrübte Durchführung von Veranstaltungen wie dem Mittwochsbummel oder der Wahl des Holocaust-Relativierers Graf (Zitat: `Wenn sie so wollen, waren es Millionen.´) normalisiert und alltäglich. „Dass reaktionäres Gedankengut und großdeutsche Propaganda für die Unileitung nach wie vor salonfähig sind und offensichtlich von einer breiten Mehrheit im Parlament protestlos und kritiklos hingenommen werden, kann und darf jedoch nicht weiter toleriert werden“, meint Litwak abschließend.

Raus aus dem Hörsaal – rauf auf die Rampe!
Treffpunkt: Mi, 29.10.2008, 11 Uhr 30, Rampe der Universität Wien

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Raus aus dem Hörsaal – rauf auf die Rampe!

Seit Jahrzehnten treffen sich jeden Mittwoch um 12:00 Uhr deutschnationale Korporierte an der Uni-Rampe um ihre reaktionäre Ideologie zur Schau zu stellen. Gerade in Zeiten, in denen die FPÖ gestärkt aus den Wahlen hervorgeht und der Burschenschafter Martin Graf zum Nationalratspräsident gewählt werden soll, ist es notwendig gegen diese rechtsextremen Skandale zu protestieren.

Daher: Mittwoch, 29.10.08, 11:30 Uhr – Unirampe.
Protest gegen Burschenschaften und andere deutschnationale Skandale!

Burschenschafter in Österreich*

SchmissfressenDeutschnationale Burschenschafter stehen in Österreich und Deutschland für völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaust-Leugnung. Ihre Deutschtümelei stellen sie in Wien unter anderem bei ihrem wöchentlichen Mittwochstreffen zur Schau, wenn sich farbentragende Korporierte „aus Tradition“ vor dem Hauptportal der Universität zusammenfinden. Immer öfter treten ihnen dabei jedoch Antifaschist_innen entgegen, um dieses Treiben zu stören und ihm langfristig ein Ende zu setzten. Anlässe dafür gibt es nach wie vor viele und das Wintersemester 2008/2009 steht vor der Tür…

Zum österreichischen Korporationswesen
Das extrem antisemitische, homophobe, rassitische und frauenfeindliche Weltbild des österreichischen Korporationswesens stellt wahrlich kein marginalisiertes gesellschaftliches Randphänomen dar. Deutschnationale Burschenschaften fungieren vor allem auch als Kaderstätte und Verbindungsglied zwischen legal organisiertem Rechtsextremismus und der militanten Neonaziszene. So waren beispielsweise 15 von 19 Nationalratsabgeordnete der FPÖ in der vergangenen Legislaturperiode „Alte Herren“ von Burschenschaften und es lässt sich auch sonst kaum ein namhafter Ideologe des österreichischen Neonazismus antreffen, der nicht dem korporierten Milieu entstammt. Dass diese revisionistischen Verbindungen nach wie „salonfähig“ sind, zeigt sich u.a. an dem jährlichen Ball des Wiener Korporationsrings (WKR), der in der Hofburg mitten in der Wiener Innenstadt stattfinden kann und 2008 von zahlreichen Prominenten und Politiker_innen, zu denen beispielsweise auch fünf Rektoren österreichischer Universitäten zählten, unterstützt wurde. So scheint ein großer Teil der österreichischen Polit- und Gesellschaftsprominenz ebenso wie auch die Universitäten keine Berührungsängste mit jenen Verbindungen zu haben, die in Österreich als Hort rechtsextremer Gesinnungen einzustufen sind. Heribert Schiedel und Martin Tröger stellen fest: „Doch erschöpft sich die Bedeutung der Burschenschaften nicht in der Funktion einer Kaderschmiede oder eines Auffangbeckens für den militanten Rechtsextremismus (Neonazismus), auch die entliberalisierte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) rekrutiert ihr Führungspersonal wieder vorrangig im korporierten Milieu.“(1)
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