Archiv der Kategorie 'Veröffentlichungen'

Fight the Players, Fight the Game: Männerfußball, Männlichkeiten & nationale Mobilmachung

[als pdf hier herunterladbar]

Der folgende Text ist nicht nur ein Essay über scheinbar pluralisierten Männerfußball als Reservat männerbündischer Strukturen, sondern stellt fest, dass antisexistische Analysen – auch wenn sie ein dringliches Thema veröffentlichen, das medial massiv unterrepräsentiert ist – letztlich nicht genügen, um das Leben für alle Menschen erträglich zu machen. Erscheinen wird er in ähnlicher Form in der EM-Broschüre der Wiener Kampagne „expect resistance: Kein Fußball dem Sexismus!“, wo er sich eingebettet in verschiedenen Grundlagentexte zu sexualisierter Gewalt im häuslichen Nahbereich, Definitionsmacht, Konsequenzen der EM für Frauen usw. befinden wird. Dies ist die aktualisierte Fassung.

Fanblock Österreich
Sport ist ein umkämpfter, widersprüchlicher Aspekt von Kultur. Denken wir an Fußball, scheinen wir dies festzustellen: Zwar sehen wir in Fußballkörben und in Parks vorwiegend junge Männer kicken, während Mädchen als Zaungästinnen fungieren, aber hey: das ist sie ja, die weibliche Fankultur. Und dabei bleibt es ja auch nicht, Filme wie Kick it like Beckham oder Football undercover führen es uns vor: Mädels haben’s drauf und wollen das auch zeigen. Auf den Tribünen des Profifußballs der Männer finden wir bis zu einem Viertel weibliche Fans, und genauso ist Frauenfußballgucken für Männer wie Frauen längst keine peinlich berührende Enthüllung mehr. Faninitiativen wie B.A.F.F. in Deutschland setzen sich aktiv gegen Sexismus und Homophobie auf dem Spielfeld und in den Fanblöcken ein, David Beckham darf sich auf dem Cover eines Schwulenmagazins räkeln und in der Abseitsregel lässt sich längst kein Herrschaftswissen mehr manifestieren. Spätestens seit dem nationalen Schulterschluss der bundesdeutschen Bevölkerung während der Männerfußball[1]-Weltmeisterschaft 2006 weiß auch Österreich: Wir sind Fußball, wer Österreich liebt muss ein EM-Fan sein. Alles klar im anstehenden rot-weiß-roten Freudentaumel, oder nicht? (mehr…)

Rechtswalzer

Zwei Monate ist es nun her, dass sich am Ball des Wiener Korporationsrings die deutschnationale Verbindungsstudent*innenszene ein Stelldichein gab, während Demonstrant*innen in den Straßen Wiens die Exekutive in Atem hielten. Nachdem Starbucks seine Scheiben neu verglast und die Apologetenfront um Andreas Mölzer sich den Geifer vom Kinn gewischt hat, nehmen wir uns Zeit für ein kurzes Resumé: Wogegen wurde da eigentlich protestiert – und war das wirklich nötig?

(mehr…)

Aufarbeitung der Gegenwart? Fehlanzeige.

Für Universitätsrektoren und andere (halb-)staatliche Würdenträger bieten die „dunklen Kapitel“ der Vergangenheit einen entscheidenden Vorteil: Mit ihnen vermag auch trefflich sich „auseinanderzusetzen“, wer die Augen vor historischen Kontinuitäten bis ins Heute nur allzu gern verschließt. Eine Intervention der AuA zum „Rektorstag“ 2008, die sich in Flugblattform unter das Festgetümmel gemischt hat.

Mitleid mit Nazibuben?

Mitleid mit Nazibuben?

Seit Anfang des Wintersemesters geht es um die Rampe der Uni Wien wieder mal heiß her: Deutschnationale Verbindungsstudenten stehen Antifaschist_innen gegenüber. Die offiziellen Organe der Uni Wien üben sich einmal mehr in nobler Zurückhaltung.

von Wolf Eichenlaub

Wer dieser Tage Burschenschaftlern begegnet, mag versucht sein, Mitleid zu empfinden. Klar, rechtsextrem und rassistisch, frauenfeindlich und homophob mögen sie sein, aber andererseits: Irgendwie auch arm, oder? Immerhin gehörte es noch vor wenigen Jahrzehnten an Österreichs Unis zum guten Ton, die zerfurchten Visagen zur Schau zu tragen. Schiss ob Schmiss musste mann höchstens davor haben, korporierten Katholerern in die Hände zu fallen, mit denen mann zwar Misogynie und Männerbündelei, die Vorliebe für Selbstunterordnung in der Gruppe und den Ekel vor allem „Linken“ und „Schwachen“ teilte, die jedoch in Sachen Judenklatschen nicht mehr so wollten wie noch vor dem Krieg und nicht zuletzt der Hitlerei meist wenig abgewinnen konnten. Heute dagegen versucht der pragmatische Bursch schon mal, seine Wangenfurchen im Seminar mit einem Unfall beim Schlittschuhlaufen zu erklären. Zur Verschlechterung des allgemeinen Meinungsklimas den Germanomanen gegenüber haben nicht zuletzt die Proteste beigetragen, die seit Anfang Oktober diesen Jahres – wie schon in früheren Semestern – deren allwöchentlichem Aufmarsch Mittwoch mittags auf der Unirampe gelten. Meist endeten die Auseinandersetzungen bislang mit einer von Antifaschist_innen besetzten Rampe und einem kleinlaut im Eckerl stehenden Häufchen Burschis, die mittlerweile die Rampe nur mehr in Begleitung ihrer Brüder im Geiste aus der Hool-Abteilung zu betreten pflegen.
(mehr…)

Sind wir nicht alle ein bisschen… Macho?

Über Männerkulte, Mackertum und Frauen in der Antifa.
von der Antifahenne*

Es stellt wahrlich keine Neuheit dar, dass Frauen in linken Gruppen unterrepräsentiert sind oder sogar eine Minderheit ausmachen. Dass auch in Antifa-Zusammenhängen hierzulande kaum Frauen anzutreffen sind, hat nicht zuletzt auch mit dem gängigen Verhalten ihrer männlichen Mitkämpfer zu tun. (mehr…)