Archiv für Mai 2011

Auflösungserklärung

Die Gruppe AuA! gibt hiermit nach ungefähr dreieinhalb Jahren politischer Arbeit ihre Auflösung bekannt. Anfangs, als „Autonome Uni Antifa“, vor Allem darauf bedacht, die burschenschaftlichen Umtriebe im universitären Milieu zu bekämpfen, blicken wir inzwischen auf eine teilweise erfolgreiche, teilweise aber auch schwierige Vergangenheit zurück. Während klar gesteckte Ziele wie die Skandalisierung reaktionärer Machenschaften im akademischen als auch parteipolitischen Bereich durchaus erreicht wurden, so bereitete uns die letztendliche Beschränktheit dieses Handlungsfeldes doch Kopfzerbrechen.

Kopfzerbrechen vor Allem über unseren Anspruch, nicht an den offensichtlich-negativen Symptomen hiesiger Vergesellschaftung herumzudoktorn, sondern theoretische wie praktische Gesellschaftskritik zu üben, die die Verhältnisse wie sie sind aus den Angeln zu heben sucht. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir jedoch konstatieren, dass wir an diesem Anspruch sowie in der Erarbeitung einer Perspektive welche über den Tellerrand bisheriger Teilbereichspolitik hinausweist, gescheitert sind. Eine Debatte über Perspektiven linksradikaler Politik wollten wir beispielsweise mit dem Reader „Wir müssen mal dringend miteinander reden!“ anstoßen, den wir zusammen mit der Autonomen Antifa Wien im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Entstanden ist dieser aus der Feststellung einer gewissen Beliebigkeit politischen Handelns, als Aufhänger und Schwerpunkt diente die vorherige Mobilisierung gegen den WKR-Ball. So wenig wir uns von den kritischen Betrachtungen in diesem Schreiberzeugnis ausnahmen, so wenig ahnten wir jedoch die persönlich-anmutende Betroffenheit mit der Gruppen und Einzelpersonen auf diese reagierten. Für schäumende Münder sorgten kurzzeitig die polemischen Passagen einzelner Texte, nüchtern-formulierte Thesen hingegen wurden mit konsequenter Nichtbeachtung gestraft und es stellt sich uns die Frage wie solche Diskussionen denn nun geführt werden können. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass sich weder die einzelnen Mitglieder der AuA! im Klaren darüber sind, inwiefern die Gruppe weiterhin als Zusammenschluss funktionieren könnte, noch in welchem Maße gruppenübergreifende Diskussionen neue Wege kritischer Interventionen eröffnen könnten.
Erschwert wurde die Positionen der Frauen der Gruppe durch das sexistische Ausblenden und Kleinmachen der Arbeit der Frauen von Außenstehenden, während sie sich immer wieder mit der Reflexion männlichen Verhaltens in der Gruppe beschäftigen mussten. So konnten Mackervorwürfe der Gruppe gegenüber nicht nur zu produktiven Diskussionen führen, sondern auch Druck auf die Frauen ausüben, die durch die Vorwürfe zum Teil sexistisch ausgeblendet wurden. Hiermit wollen wir Mackertumvorwürfe nicht relativieren, doch sollte die Auseinandersetzung damit nicht dafür herhalten, um andere Formen von Sexismen zu (re)produzieren.

Diejenigen die sich nun freuen haben dies jedoch zu früh getan. In der AuA! haben sich Menschen zusammengetan, die Organisierung – wie schon im Reader behandelt – als notwendige Voraussetzung gesellschaftskritischer Tätigkeit begreifen. Weder schütteln wir dem Bestehenden durch die Auflösung unserer Gruppe resignativ die Hand, noch dürstet es uns danach, als „Freie Radikale“ von einer Aktivität in die nächste zu stürzen.
Auf dann,

eure Ex-AuA`s

Das Archiv auf unserem Blog wird bestehen bleiben so dass sämtliche Texte der Gruppe AuA! dort weiterhin eingesehen werden können.