Di:Day von Dezember bis März

Di:Day von Dezember bis März

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8. Dezember:
Braunzone Österreich
Von Abtreibung bis Abendland

Für das Spektrum zwischen rechtsextremen und konservativen, u. a. rechtskatholischen Kreisen, hat sich in der antifaschistischen Diskussion der Begriff der „Braunzone“ etabliert. Hier treffen sich kreuzfromme Monarchisten, larmoyante Lebensschützer_innen, freiheitliche Kirchenversteher, rührige Studentenpolitiker, neofaschistische Vielschreiber und Korporierte unterschiedlicher Couleur. In Österreich v. a. in den 90er Jahren sehr umtriebig, hat sich diese Szene in jüngerer Zeit nicht zuletzt im Internet reorganisiert. Die Veranstaltung versucht die Geschichte konservativer Brückenbauprojekte nachzuzeichnen, relevante Akteur_innen zu benennen und die Themen herauszuarbeiten, über welche „nationale“ und christliche Konservative zueinander finden.
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12. Jänner:
Sehnsucht & Widerstand
Rechte Agenden zwischen Nation und Europa

Wie ein blaues – oder braunes ? – Wurzelgeflecht ziehen sich die vermehrten Aktivitäten der FPÖ zur Einigung der europäischen Rechten durch die vergangenen Jahre und über den gesamten Kontinent. Sowohl im Europaparlament, auf der Suche nach einer gemeinsamen Rechtsfraktion oder bei Versuchen eine Europapartei aufzustellen, als auch auf Ebene kommunaler Zusammenschlüsse, in der vernetzenden Jugendarbeit, auf diversen Kongressen und Jahrestagen stehen die Freiheitlichen mit Eifer und guten Ratschlägen parat. Die als „Bonzokratie“ verachteten EU-Institutionen werden so zum finanziellen Düngemittel eines Rhizoms, das das rechte Spektrum vom Rechtskonservativismus bis hin zum Neonazismus zu einen sucht. Der Vortrag soll einleitend Akteur_innen, Inhalte und Perspektiven rechter Europapolitiken vorstellen und relevante Entwicklungen zusammenfassen. Ausgehend davon, dass das Subjekt des rechten Lagers und das des Staates und seiner Institutionen dasselbe ist, gilt es zu diskutieren, welche Perspektiven und Relevanz sich für antifaschistische Aktivist_innen, welche allzu oft in der Rekonstruktion regionaler Neonazibiografien verharren, ergeben.
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9. Februar
Frauenhass und Deutsche Mütter um 1900
Antisemitismus in der 1. bürgerlichen Frauenbewegung
und im Männerbund der Maskulinisten

Der Begriff Antifeminismus wurde von der deutschen Frauenrechtlerin Hedwig Dohm in Anlehnung an den um 1870 etablierten Begriff Antisemitismus geschaffen, um die Gegner_innenschaft gegen die politischen und sozialen Forderungen der 1. Frauenbewegung zu benennen. Während antisemitische Vereine wie der „Deutsche Bund gegen die Frauenemanzipation“ die neue soziale Bewegung als „internationalistisch zersetzend“ und „verjudet“ angriffen, reproduzierten Teile der bürgerlichen Frauenbewegung den gängigen Antisemitismus in ihrem Kampf um sittliche Moral und in ihrem Selbstverständnis als völkische Patriotinnen am heimischen Herd. In ihrem strategischen Bemühen um Sichtbarmachung im hierarchischen Geschlechterverhältnis, fochten sie innerhalb einer Verwissenschaftlichung von Geschlechterfrage und Rassismus, für geschlechtliche und sexuelle Normierung, die das „jüdische“ als krankhaft abweichend begriff. Etwa zeitgleich mühten sich die Maskulinisten um Hans Blüher, männliche Homosexualität als besonders viril und damit staatstragend zu diskursiveren. Die maskulinistischen Ansätze zur Normalisierung männlicher Homosexualität beruhten auf der Abwertung und Ausgrenzung von Frauen und Juden – und entwarfen ein antisemitisches Zerrbild von „effeminierter“ und „germanischer“ Männlichkeit. In der Gegenüberstellung der beiden Emanzipationsbewegungen soll aufgezeigt werden, wie der Antisemitismus als „kultureller Code“ um 1900, für die so kontroversiellen sozialen Bewegungen, einen Machtgewinn bedeuten konnte.
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9. März
„Kultureller Rassismus“
Neues Paradigma oder alter Hut?

Bereits 1955 stellte Adorno einen sprachlichen Wandel in den Artikulationen des Rassismus fest: „Das vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rasse, bleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch“. Über fünfzig Jahre später ist die Diskussion um die Novität des „Rassismus ohne Rassen“ immer noch nicht versickert, in der sich grundlegend zwei diametral gegenüberstehende Positionen heraus kristallisiert haben: Während die einen von einem „neuen Rassismus“ sprechen, beharren die anderen auf dem historischen Kontinuum des Phänomens und betonen die typische Verbindung von „Natur“ und „Kultur“ in der rassistischen Vergesellschaftung. Die Veranstaltung versucht in ideologiekritischer Absicht diese kontroversielle Debatte nachzuzeichnen und dabei die propagierte Neuartigkeit des „kulturellen Rassismus“ näher zu bestimmen.
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