Archiv für Oktober 2008

Burschenschafter in Österreich*

SchmissfressenDeutschnationale Burschenschafter stehen in Österreich und Deutschland für völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaust-Leugnung. Ihre Deutschtümelei stellen sie in Wien unter anderem bei ihrem wöchentlichen Mittwochstreffen zur Schau, wenn sich farbentragende Korporierte „aus Tradition“ vor dem Hauptportal der Universität zusammenfinden. Immer öfter treten ihnen dabei jedoch Antifaschist_innen entgegen, um dieses Treiben zu stören und ihm langfristig ein Ende zu setzten. Anlässe dafür gibt es nach wie vor viele und das Wintersemester 2008/2009 steht vor der Tür…

Zum österreichischen Korporationswesen
Das extrem antisemitische, homophobe, rassitische und frauenfeindliche Weltbild des österreichischen Korporationswesens stellt wahrlich kein marginalisiertes gesellschaftliches Randphänomen dar. Deutschnationale Burschenschaften fungieren vor allem auch als Kaderstätte und Verbindungsglied zwischen legal organisiertem Rechtsextremismus und der militanten Neonaziszene. So waren beispielsweise 15 von 19 Nationalratsabgeordnete der FPÖ in der vergangenen Legislaturperiode „Alte Herren“ von Burschenschaften und es lässt sich auch sonst kaum ein namhafter Ideologe des österreichischen Neonazismus antreffen, der nicht dem korporierten Milieu entstammt. Dass diese revisionistischen Verbindungen nach wie „salonfähig“ sind, zeigt sich u.a. an dem jährlichen Ball des Wiener Korporationsrings (WKR), der in der Hofburg mitten in der Wiener Innenstadt stattfinden kann und 2008 von zahlreichen Prominenten und Politiker_innen, zu denen beispielsweise auch fünf Rektoren österreichischer Universitäten zählten, unterstützt wurde. So scheint ein großer Teil der österreichischen Polit- und Gesellschaftsprominenz ebenso wie auch die Universitäten keine Berührungsängste mit jenen Verbindungen zu haben, die in Österreich als Hort rechtsextremer Gesinnungen einzustufen sind. Heribert Schiedel und Martin Tröger stellen fest: „Doch erschöpft sich die Bedeutung der Burschenschaften nicht in der Funktion einer Kaderschmiede oder eines Auffangbeckens für den militanten Rechtsextremismus (Neonazismus), auch die entliberalisierte Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) rekrutiert ihr Führungspersonal wieder vorrangig im korporierten Milieu.“(1)
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