Archiv für August 2008

Nikoli Več Ulrichsberg! / Ulrichberg wegbeamen!

u-berg

Die Gruppe AuA! begrüßt die Aktionstage des AK gegen den Kärtner Konses vom 19. bis 21. September in Klagenfurt/Celovec. Die Aktionstage richten sich gegen das Treffen von Altveteranen aus Wehrmacht und (Waffen-)SS, Jungnazis und Heimatverbundenen am Ulrichsberg. Jedoch steht der Ulrichsberg nicht irgendwo, sondern in Kärnten, und das Treffen findet nicht zufällig dort statt. Denn ebenjenes Bundesland im Süden Österreichs tut sich schon seit langem als Vorreiter in Sachen Heimatverbundenheit, antislawischem Rassismus und dumpfnationalem Rechtspopulismus vom Schlage eines Jörg Haiders hervor.
Daher richten sich die Aktionstage nicht nur gegen das rechtsrevisionistische Treffen auf dem Ulrichsberg, sondern explizit auch gegen den rechten und rassistischen Alltag in Kärnten: also gegen das was die Historiker Fanta und Sima in ihrem Buch als den „Kärtner Konsens“ bezeichneten.
Daher rufen wir zur Beteiligung an den Aktionstagen gegen das Ulrichsbergtreffen und den Kärtner Konsens auf.

Es folgen:
der Aufruf des AK gegen den Kärtner Konsens
das Programm der Aktionstage
weitere Hinweise (zu Anfahrt und Übernachtung):
(mehr…)

Vom Vergeben und Vergessen

Zum versöhnlichen Umgang der Universität Wien mit alten und neuen Phänomenen und Figuren des Rechtsextremismus1

Die Universität will proaktiv und offensiv die Bearbeitung ihrer eigenen Vergangenheit systematisch im Sinne einer Selbstbeauftragung betreiben […]. Gerade die Geschichte der letzten 70 Jahre der Universität Wien wäre geeignet, eine gemeinsame Identitätsbildung aller Angehörigen der Universität nach innen zu fördern, und gleichermaßen nach außen zu vermitteln. Die dringend notwendige Auseinandersetzung mit der Zeit 1938-1945 bedarf auch einer kontinuierlichen Auseinandersetzung über 1945 hinaus in politischer, wissenschaftlicher und personeller Hinsicht: die Schnittstellen Universität, Gesellschaft und Politik, Fragen der außeruniversitären Forschung, des Wissen(schaft)stransfers und internationale Vergleiche sind zu fokussieren und Grundlagen für eine solide Positionierung zu erarbeiten.

So geschmeidig sich die Selbstbeschreibung des Forums „Zeitgeschichte der Universität Wien“ auf der Universitätshomepage2 auch liest – bereits ein unbeteiligter Besuch des allwöchentlichen Stelldicheins rechter Burschenschafter an ihrer Pilgerstätte im Innenhof des Hauptgebäudes der Universität, am „Siegfriedskopf“, lässt an der Ernsthaftigkeit derart gut gemeinter Worte mehr als zweifeln. Das „Denkmal“ war 1923 von der Deutschen Studentenschaft für die im Ersten Weltkrieg „in Ehren gefallenen Helden unserer Universität” errichtet worden. Als der Schädel 1990 durch eine Gedenktafel für von den Nazis vertriebene Uni-Angehörige ersetzt werden sollte, liefen die Burschenschaften gemeinsam mit dem rechtsextremen Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) dagegen Sturm. 2006, im Zuge der Neugestaltung von Aula und Arkadenhof, wurde der Schädel von ersterer in letzteren verlegt und – wenngleich eher halbherzig – mit einer historisierenden Kommentierung versehen. Bis heute ändert dies jedoch nichts an der Anziehungskraft, die der Schädel auf rechtsextreme Besucher_innen auszuüben scheint. Man kann dabei nicht behaupten, die Universität sehe tatenlos zu, versucht sie doch jeglichen Protest gegen das deutschnationale Stelldichein zu kriminalisieren und ungeschehen zu machen.

Auch die Adresse der Universität, die den Namen eines antisemitischen Wiener Bürgermeisters der Jahrhundertwende, Karl Luegers, trägt, gibt zu denken: In seinem Machwerk „Mein Kampf“ beschreibt Adolf Hitler Lueger als den „gewaltigsten und genialsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten”, wohl angespornt durch Aussagen wie diese über Jüdinnen und Juden: „Da sind Wölfe, Löwen, Panther, Leoparden, Tiger (…) Menschen gegenüber diesen Raubtieren in Menschengestalt.“ Nun ließe sich anführen, die Universität könne natürlich nichts für ihre Adresse – zugleich muss anerkannt werden: Sie hätte durchaus den Einfluss, ihren Standort zu skandalisieren und einen Alternativvorschlag zur Namensgebung einreichen.3 (mehr…)