Anarchistische Gedenkfeier KZ Gusen Sa. 17.05.08

Anarchistische Gedenkfeier KZ Gusen
Busfahrt zum KZ Gusen I. und II.
Samstag 17. Mai 2008

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Abreise von Wien 9:30 (mehr Infos nach der Anmeldung)

Die Plätze im Bus sind kostenlos

Anmeldung erforderlich, bitte Mail an: info@schwarzwurzeln.org
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Gusen: Die Wenigsten werden bei diesem Namen an das Todeslager denken, das sich von 1940-1945 dort befunden hat.
Gusen: Das ist „Vergangenheitsbewältigung“ bestehend aus Ignorieren, Verdrängen und Opfermythos.

Das Konzentrationslager (KL) Gusen war das erste Zweiglager des Konzentrationslagers Mauthausen. Es war das größte Außenlager, zeitweise größer als das Lager Mauthausen selbst.
Nach der Errichtung des Lagers Gusen I ab Dezember 1939 waren es zuerst die umliegenden Steinbrüche, in denen die „Vernichtung durch Arbeit“ betrieben wurde. Ab 1943 verlagerte sich die Ausbeutung der Häftlinge zugunsten der Rüstungsindustrie und im März 1944 wurde Gusen II eröffnet.

„Gusen II: Das schlimmste aller Straflager, die Hölle aller Höllen, das Lager des Todes, das Lager des Mordes, das Lager des Selbstmords, das Lager des Wahnsinns. […] Es gibt kein zurück, man kommt von Gusen II nicht nach Gusen I oder nach Mauthausen. Hier sind wir alle nur mehr Abfall. Es gibt nur einen Ausgang: den großen, der durch den Schornstein
führt.“ (Bernard Aldebert)

Unter unvorstellbaren Bedingungen wurden riesige Stollen für eine unterirdische Flugzeugfabrik gebaut. Gusen III wurde Ende 1944 als Versorgungslager errichtet.
Das KL Gusen wurde geplant für „sonderzubehandelnde Feinde des Reiches“ und war ein Lager der Stufe III, dh. ein Vernichtungslager.Die größten Häftlingsgruppen waren anfangs politische Häftlinge aus Polen und Republikanische Spanier, die nach der Besetzung Frankreichs von den dortigen Internierungslagern hierher gebracht wurden. Ab 1941 folgten tausende sowjetische Kriegsgefangene und größere Transporte von Franzosen und Italienern. 1944 kamen vor allem jüdische Deportierte aus Polen und Ungarn und 1945 begannen die Todesmärsche hauptsächlich jüdischer Häftlinge aus den liquidierten Lagern im Osten. Über 70.000 Menschen aus mindestens 27 Ländern sind hier eingesperrt, ausgebeutet und misshandelt worden, nicht einmal die Hälfte von ihnen hat diese Torturen überlebt. Mindestens 36.000 Menschen sind in Gusen zu Tode gequält worden.

Und heute?

Ein Konzentrationslager dieser Dimension, dessen Areal nicht einmal als Gedenkstätte gewidmet ist. Eine ruhige Siedlung, Blumen vor den Fenstern und da und dort ein Schild „Privatgelände. Durchgang verboten.“ Gusen II wurde nach der Befreiung von den amerikanischen Truppen niederge-brannt, Gusen I lieferte Baumaterial für die einheimische Bevölkerung. Die Sowjets nützten die Lagerbaracken als Truppenunterkünfte und betrieben die Steinbrüche weiter.
Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen plante die Gemeinde die Errichtung einer Wohnanlage. Die noch erhaltenen Gebäude – wie das Wachegebäude der SS und das Lagerbordell — wurden zu Wohn- bzw. Firmenzwecken genutzt (bis heute!). Einzig der Krematoriumsofen störte und sollte in die Gedenkstätte Mauthausen gebracht werden, was durch einige ehemalige Häftlinge verhindert wurde. Diese haben auch die Errichtung des Memorials betrieben und finanziert. Seit 2007 gibt es aufgrund einer Privatinitiative mit dem „Audioweg Gusen“ die Möglichkeit „zu hören, was nicht mehr zu sehen ist“. Einen Teil des Audioweges wollen wir gemeinsam gehen und so die Geschichte dieses Ortes und den Umgang mit ihr ins Bewusstsein rufen.
Beim Gedenken an die Opfer möchten wir auch an die Anarchisten unter ihnen erinnern, von denen viele auch nach der Befreiung weiter in der Emigration leben mußten und die bis heute sowohl bei der historischen Aufarbeitung, als auch in der öffentlichen Gedenkkultur ausgeklammert bleiben. Zur Erinnerung an sie werden wir eine Gedenktafel anbringen.

SIE KÄMPFTEN NICHT FÜR EINEN STAAT, SIE KÄMPFTEN NICHT FÜR EIN LAND,
SONDERN FÜR FREIHEIT UND SOZIALE GERECHTIGKEIT.

IN ERINNERUNG AN ALLE, DIE WEGEN IHRES KAMPFES GEGEN JEDE FORM VON HERRSCHAFT HIER INTERNIERT, GEQUÄLT UND ERMORDET WURDEN.

NIEMALS VERGESSEN

Anarchistinnen und Anarchisten Mai 2008

www.schwarzwurzeln.org