Gendermainstreaming im Deutschnationalismus

Zur Frage, ob auf der Uni küftig auch Burschenschafter mit Binnen-I geschrieben werden sollte?

Deutschnationalismus stellt an der Uni Wien wahrlich kein neues Phänomen dar. Durch „politische“ Veranstaltungen im universitären Bereich sorgen Burschenschafter (1) seit vielen Jahren für Aufsehen und stoßen in linken Uni-Kreisen seit geraumer Zeit auf massiven Protest. Weniger sichtbar waren und sind bis jetzt wohl jene Frauen, meist Freundinnen, Töchter, Schwestern und Ehegattinnen der „Burschis”, die sich in der deutschnationalen Mädelschaft „Freya” zusammenfinden.

Mit strikten Hierarchien und dem Ziel „die Interessen weiblicher Studierender vertreten” zu wollen, obwohl sie „die wahre und zentrale Bestimmung von Frauen aber doch in der ‘Mutter und Erzieherin’ sieht” (2), verdeutlicht „Freya” als weibliches Pendant zu den deutschnationalen Burschenschaften, dass Deutschnationalismus definitiv kein Privileg von Männern ist. Da die traditionellen deutschnationalen Burschenschaften die Mitgliedschaft von Frauen jedoch strikt ablehnen, gibt es eben eigene Einrichtungen wie die 1988 gegründete Wiener „akademische” Mädelschaft, in denen Politik und rechtes Gedankengut nicht ausschließlich Männersache bleibt. Über den Aufgabenbereich der „Freya” gab nicht zuletzt auch eine Ende März 2007 in der Presse veröffentlichte Reportage mit dem Titel „Vergiss nicht, dass du Deutsche bist” (3) Aufschluss.
Neben „deutschen” Liederabenden und Themenveranstaltungen zur „Verlotterung der deutschen Sprache“ oder zum Diskussionspunkt „Südtirol” unterstützen die in der „Freya” organisierten Frauen auch Projekte wie „Altösterreicher in den ehemaligen Monarchiegebieten“. So steht Wiens erste „national-freiheitliche Studentinnenverbindung“ seit ihren Anfängen dem reaktionären Gedankengut ihrer männlichen „Kameraden” nicht nach. In Anlehnung an deren „Buden” schmücken Schwarz-Rot-Goldene Fahnen auch das Vereinslokal der Mädelschaft in der Fuhrmannsgasse und auch die dort organisierten Frauen sehen sich der „deutschen Kulturgemeinschaft” zugehörig und ihre Mitgliedschaft als „Lebensgemeinschaft” bis in den Tod. Immerhin haben sie nicht nur das Vereinsmotto „Für Ehre, Freiheit, Vaterland!“ von ihrem männlichen Weggefährten abgeschaut, sondern auch die Verbindungsfarben der „Freya” beziehen sich auf das Couleur der Ur-Burschenschaft, die während der „Befreiungskriege“ gegen Napoleon gegründet wurde, als in Deutschland und Österreich die Chance verpasst wurde, ein bürgerliches Gesetzbuch zu bekommen und zumindest halbwegs in punkto persönlicher Freiheit mit anderen Ländern gleichzuziehen.
Der Name selbst verweist ebenso auf eine längere Tradition und bezieht sich auf eine, noch vor dem Ersten Weltkrieg gegründete weibliche Pennale, den „Deutsch-arischen Mädchenbund Freya”, deren Namensgebung wiederum bei der germanischen Göttin Freya ihren Ursprung nimmt. Neben Tradition werden freilich auch Schlagwörter wie Gemeinschaft, Heimat und vor allem die deutsche Zugehörigkeit hochgehalten. Um Stimmrecht zu bekommen, muss frau sich immerhin erst aktiv engagieren und die so genannte „Mädelprüfung“ ablegen, um dann in der mädelinternen Hierarchie von „Conkneipantin” über „Fäh” (Jungstudentin) und „Mädel” schlussendlich zur Hohen Frau aufsteigen zu können. Gemeinschaft mit den Männern oder für beide Geschlechter geltende Hierarchien lassen sich in der Regel jedoch in den Strukturen nicht finden. Obgleich es den „Mädels” an völkischem Gedankengut folglich nicht fehlt, scheint es doch, dass selbst die hohe Frau mehr Zukunftsperspektiven in der FPÖ hat – und Parteimitglieder scheint es in der Mädelschaft trotz der Betonung auf Unabhängigkeit zur Genüge zu geben –, als in den Burschenschafterkreisen. Weder in Hinblick auf Manneskraft noch Männlichkeit oder Wehrbereitschaft können die „selbstbewussten” Frauen, wie sich die Mädels bezeichnen, mithalten. „Emanzipiert, jung, engagiert, einig” reicht folglich lediglich für Budenfeste und zur Aufrechterhaltung von ewig gestrigem Gedankengut.
So ist auch zu sagen, dass die Mitgliederzahlen der Mädelschaft, die laut dem erwähnten Presseartikel auf 29 Mitglieder von 16 bis 66 Jahren beschränkt ist, keineswegs mit denen ihrer männlichen „Kameraden” mithalten kann. Wenngleich Deutschnationalismus kein männliches „Privileg” ist, bleibt die Burschenschafterszene demnach männlich dominiert und das Binnen-I kann folglich auch weiterhin ausgespart bleiben.

(1) Deutschnationale Burschenschaften sind nicht zu verwechseln mit den katholischen Studentenverbindungen des Cartellverbandes.

(2) Vgl. Lecher, Judith/Rampetzreitner, Heide: „Vergiss nicht, dass du Deutsche bist”, http://www.diepresse.at/home/wirtschaft/karriere/studenten/293204/index.do?_vl_backlink=/home/index.do, 1.4.2007

(3) Bailer-Galanda, Brigitte: Frauenbild und Frauenrepräsentanz im österreichischen Rechtsextremismus, http://www.doew.at/thema/thema_alt/rechts/refrauen/frauenbildre.html, 1.4.2007