Archiv für September 2007

Turmkommers: Infoveranstaltung & Demo

Einladung zur Informationsveranstaltung zum „Turmkommers“ rechtsextremer Burschenschaften in Linz, 5. bis 7. Oktober 2007

Anlässlich des 130 Jahr-Jubiläums der Linzer Burschenschaft Arminia Czernowitz sowie von 90 Jahren „Burschenschafterturm“ in Linz versammeln sich am ersten Oktoberwochenende deutschnationale Burschenschafter in der oberösterreichischen Landeshauptstadt.

Vortrag und Diskussion

Heribert Schiedel (Rechtsextremismusexperte, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes / DÖW) informiert über die Hintergründe des Kommerses, den Linzer „Anschlussturm“, das ideologische und politische Profil der burschenschaftlichen Bewegung und deren Verzahnungen mit dem parteiförmig-legalen (FPÖ, RFS, RFJ) und dem militanten Rechtsextremismus in Österreich.

ZEIT: Montag, 1. 10. 2007 – ab 20 Uhr
ORT: Wipplingerstrasse 23, 1010 Wien

Veranstaltungsflyer

Linz: Turm(kommers) sprengen- Demo gegen deutschnationale Männerbünde

90 Jahre deutschnationaler Burschenschafterturm sind ebenso zuviel, wie 130 Jahre akad. Burschenschaft Arminia Czernowitz zu Linz.

Von 5. bis 7. Oktober 2007 treffen sich rechte Recken in Linz, um dem Deutschnationalismus zu frönen.
Das verhindern wir !!
Lassen wir nicht zu, dass antisemitische, sexistische, rassistische und reaktionär – völkische Traditionen gepflegt und hochgehalten werden.

Treffpunkt: 6. Oktober 2007, 18:00 Uhr: Hauptplatz Linz
Lärminstrumente mitbringen !!

Für mehr Informationen:
turmsprengen@gmx.at

antifabündnis gegen den turmkommers

Vorraussichtlich wir es auch einen Bus aus Wien geben
Für Infos und Anmeldung kann mensch sich an
altref@oeh.univie.ac.at
wenden.

Zum universitären Korporationsunwesen

Zum universitären Korporationsunwesen

So sehr ihr Aufzug und Auftreten auch den Eindruck schürt, es handle sich um harmlose Faschingsvereine oder schlimmstenfalls bedauernswerte Vaterbuben: Die Aktivitäten studentischer Korporationen an den österreichischen Universitäten stellen ein beständiges und in Teilen höchst bedenkliches Ärgernis dar. Grundsätzlich sind deutschnational gesinnte Korporationen (Burschen- und Mädelschaften, Corps, Landsmannschaften, akademische Turnvereine, Jäger- und Sängerschaften, Vereine Deutscher Studenten) einerseits und katholische Studentenverbindungen (zusammengefasst im Dachverband ÖCV, einem maßgeblichen Rekrutierungspool für ÖVP-Politiker wie den hoffnungsvollen „Erneuerer“ Josef Pröll) andererseits zu unterscheiden. Zahlreiche Merkmale sind beiden Verbindungsarten gemeinsam, darunter (in den meisten Fällen) das Tragen der Verbindungsfarben in Form von Kappe und Band, ihr (mit Ausnahme der Mädelschaften) männerbündlerischer Charakter und ihre Funktion als (männliche) Elitereproduktionsstätten, ihre homophobe, frauenfeindliche und heteronormative Ausrichtung, ihr Konservativismus (wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung) und Nationalismus. (mehr…)

Rechtsextremismus an der Universität Wien

Rechtsextremismus an der Universität Wien

Der Umgang mit Rechtsextremismus ist in diesem Land ein derart heuchlerischer, dass selbst die offenkundigsten Huldigungen lange bestehen bleiben können. Bis Mitte der 80er Jahre zierte die Universität für Bodenkultur das Zitat: „Solange Deutsche leben, werden sie bedenken, daß diese einst Söhne Ihres Volkes waren.“ Neben dem patriarchalen Impetus und der Beschwörung einer deutschen Volksgemeinschaft scheint an diesem Schild auch der Autor interessant: Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kampf“. Dass eine solche Inschrift solange an einer Universitätsmauer angebracht sein konnte, ist durchaus kein Zufall,
sondern ein Hinweis auf rechtsextreme Kontinuitäten in der (österreichischen) Uni-Landschaft. Ein anderes Beispiel für rechte Symboliken ist alleine schon die Adresse der Universität Wien, die den Namen eines antisemitischen Wiener Bürgermeisters der Jahrhundertwende, Karl Luegers, trägt. Ebenfalls in „Mein Kampf“ beschreibt Hitler Lueger als den „gewaltigsten und genialsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten”, wohl angespornt durch Aussagen wie diese über Jüdinnen und Juden: „Da sind Wölfe, Löwen, Panther, Leoparden, Tiger (…) Menschen gegenüber diesen Raubtieren in Menschengestalt.“ (mehr…)

Universität und Rechtsextremismus

Universität und Rechtsextremismus

Eine Gemeinsamkeit von Rechtsextremismus einerseits und Universitäten andererseits besteht darin, dass von beiden in der öffentlichen Meinung ein stark verzerrtes Bild vorherrscht. In Hinblick auf die Hochschulen besteht dies darin, dass diese als Orte der Aufklärung und des gesellschaftlichen Fortschritts gedacht werden, an denen „reine“ (im Sinn von ideologiefreie) Wissenschaft betrieben werde und die kritische Geister hervorbrächten, die den gesellschaftlichen Fortschritt beflügelten (was zumindest in Gestalt von protestierenden Studierenden in der Regel jedoch gar nicht gern gesehen wird). Intellektuellen wird zwar eher misstrauisch begegnet – sie seien „verkopft“, weltfremd, abgehoben, arrogant –, gleichzeitig wird ihnen jedoch hohes soziales Prestige zuerkannt, was sich in autoritärer Unterwürfigkeit durchaus mit antiintellektualistischem Hass verbinden lässt. Tatsächlich hat jedoch weder das Gros der Studierenden in Österreich heute viel mit Rebellion à la Paris 1968 am Hut, noch haben die ProfessorInnen an Universitäten hier oder anderswo je „ideologiefrei“ gewirkt. Die Annahme der Möglichkeit „unpolitischer“ Forschung und Lehre war immer schon Illusion, wurde und wird jedoch beharrlich beschwört, um die legitimatorische Kraft der Wissenschaft zur Wahrung partikularer Interessen weiterhin nutzen zu können. (mehr…)